12
erbaulich. Wie ich mich seither erinnert und der Sachenachgedacht habe, ist der Müßiggang mein größter Feind,und die Freiheit — weil ich keinem Geistlichen unterworfenwar, der meiner gepflegt und wahrgcnommen hätte — dieUrsache gewesen, daß ich nicht in meinem angefangenen Le-be» beständig verharrt bin. Ich wohnte auf einem hohenGebirge, die Mooß genannt, welches ein Stück vom Schwarz»Walde und überall mit einem finstern Tannenwalde über-wachsen ist. Von demselben hatte ich eine schöne Aussicht,und zwar gegen Aufgang hin in das Oppenauer Thal unddessen Nebenzinkcn, gegen Mittag hin in das KintzingcrThal und in die Grafschaft Gcroldscck, woselbst dieses hoheSchloß zwischen seinen benachbarten Bergen das Ansehenhat, wie der König in einem aufgesetzten Kegclspiele. Ge-gen Niedergang hin konnte ich das obere und untere Elsaßübersehe», und gegen Mitternacht hin der niederen Mark»grafschast Baden zu und den Rhcinstrom hinunter schauen,in welcher Gegend die Stadt Straßburg mit ihrem hohen !Münstcrthurme gleichsam wie das Herz mitten in einemLeibe beschlossen hcrvorprangt. Mit solcher Aussicht undmit den Betrachtungen so schöner LandcsgcgenLcn ergötzteich mich mehr, als daß ich eifrig betete, und mein Per-spectiv, welchem ich noch nicht entsagt hatte, frischte mich .trefflich dazu an. Wenn ich mich aber der dunkele» Nacht ^wegen desselben nicht mehr bedienen konnte, so nahm ich imein Instrument, welches ich zur Verstärkung des Gehöres ^erfunden hatte, zur Hand und horchte dadurch, wie etwa»auf etliche Stunden Weges weit von mir die Bauernhundcbellten, oder ein Gcwild in meiner Nachbarschaft sich regte.Mit solcher Thorheit ging ich stets um, und ließ mit der