Das siebente Kapitel.
Simplcr's vertrauter Freund Herzbruder stirbt,
Und er sich viele liebliche Buhlen erwirbt.
Der Sauerbrunnen schlug mir je länger je besser zu,weil sich nicht allein die Badegäste gleichsam täglich mehrten,sondern weil auch der Ort selbst und die Art zn leben michgar anmuthig zu sein dünkte. Ich machte mit den lustigenLeuten, die dahin kamen, Bekanntschaft und fing an, höflicheReden und Schmeicheleien zu lernen, auf die ich mein Leb-tage sonst niemals viel geachtet hatte. Ich wurde für einenHerrn vom Adel gehalten, weil mich meine Leute HerrHauptmann nannten, sintemal dergleichen Stellen kein Sol-dat von Fortun in einem solchen Alter, in welchem ich michdamals befand, so leichtlich erlangt. Daher machten denndie reichen Stutzer mit mir und hingegen ich hinwiederummit ihnen nicht allein Bekanntschaft, sondern auch gar Brü-derschaft, und cs war jegliche Kurzwelle, Spielen, Fressenund Saufen meine allergrößte Arbeit und Sorge. Diesraffte freilich manchen schönen Dukaten hinweg, ohne daßich cs sonderlich wahrgcnommen und geachtet hätte; dennmein Scckcl von dem Olivicrischen Erbgute war noch treff-lich schwer.
Unterdessen war es mit Hcrzbrudern je länger je ärgergeworden, also daß er endlich die Schuld der Natur bezah-len mußte, nachdem ihn die Aerztc »nd Apotheker, die sichzuvor genugsam an ihm begrast, verlassen hatten. Er be-stätigte nochmals sein Testament und seinen letzten Willen,