Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

Wenn es Kerle wären, die sich wehren könnlcn, so wäre esetwas Anderes."Was!" versetzte er,Eier in diePfanne, so werden keine Jungen daraus! Ich kenne diesejungen Blutsauger wohl; ihr Vater, der Major, ist einrechter Schindcrhund und der ärgste Wammsklopfcr von derWelt!" Und mit solchen Worten wollte er immer fort-würgen und die armen Kinder abschlachten; indcß enthieltich ihn so lange, bis er sich endlich erweichen ließ. Eswaren aber das Weib eines Majors, ihre Mägde und dreischöne Kinder, die mich von Herze» dauerten. Wir sperr-ten dieselben, auf daß sic uns sobald nicht verrathcn sollten,in einen Keller, in welchem sie weiter nichts als Obst undweiße Rüben zu beißen hatten, bis sie gleichwohl wiederumvon Jemandem erlöst würden. Darnach plünderten wir dieKutschen und ritten mit sieben schönen Pferden in denWald, wo er am dicksten war.

Als wir daselbst die Pferde angebunden hatten und ichmich ein wenig umschantc, sah ich unweit von uns einenKerl stockstill an einem Baume stehen. Diesen wies ich demOlivier und vermeinte, wir hätten uns vorznsehcn.Ha,Narr!" cntgegncte er, es ist ein Jude, den habe ich hin-gebunden; der Schelm ist aber schon längst erfroren undverreckt." Während dessen ging er zu ihm, klopfte ihnmit der Hand unrcn aiüs Kinn und sagte:Ha, du

Hund! du hast mir auch viele schöne Dukaten gebracht!"Und als er ihm dergestalt das Kinn bewegte, rollten demJuden noch etliche Dublonen zum Munde heraus, welcheder arme Schelm »och bis in seinen Tod davon gebrachthatte. Olivier griff ihm darauf in den Mund und brachtezwölf Dublonen und einen köstlichen Rubin zusammen.