63
den Baum zu erlangen, was mir denn auch trefflich glückte,also daß ich sowohl durchs Wasser wie durch meine Müheauf de» größten Ast, den ich anfänglich für einen Baumangesehen hatte, zu sitzen kam. Derselbe wurde aber vonden Strudeln und Wellen dergestalt tribulirt, daß er ohneUnterlaß auf und nieder knappen mußte, und mein Magenwurde deshalb dermaßen erschüttert, daß ich Lunge undLeber hätte ausspcien mögen. Ich konnte mich nur küm-merlich darauf halten, weil mir ganz seltsam vor den Augenwurde. Da mußte Alles von mir heraus, auch das, wasich noch in Frankreich und in Westphalen gefressen hatte,und indem ich kotzte wie ein Gerberhund, flössen auch dieHosen voll, was sedoch der Rhein gleich wieder hinweg-spühlte, weil mich der Ast alle Augenblicke einmal hinuntertauchte. Ich hätte mich gern wieder in's Wasser gelassen;allein ich befand wohl, daß ich nicht Mannes genug wäre,um auch nur den hundertsten Thcil solcher Arbeit auszu-stehen, dergleichen ich schon überstritten hatte. Deswegenmußte ich verbleiben, wo ich war und auf eine ungewisseErholung hoffen, die mir Gott von Ungefähr schickenmüßte, wenn ich anders mit dem Leben davon kommensollte. Zwar mein Gewisse» gab mir hierzu einen schlechtenTrost, indem cs mir vorhielt, daß ich solche gnadenreicheHülfe nur ein paar Jahre her so liederlich verscherzt hätte.Jndeß hoffte ich ein Besseres und fing an, so andächtig zubeten, als wenn ich in einem Kloster wäre erzogen worden.Ich setzte mir vor, inskünftige frömmer zu leben und thatunterschiedliche Gelübde. Ich entsagte dem Soldatenlebenund verschwur das Parteigehen auf ewig; ich schmiß auchmeine Patrontasche sammt dem Ranzen von mir und ließ