Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

zwar auf unterschiedliche Arten, doch war unter allen diesenManieren keine einzige, die mir beliebte und mir anständigsein wollte, um solcher Gestalt mein Maulsutter zu er-obern. Denn Etliche nahmen und sollten cs auch ver-laufene Dirnen gewesen sein 7-7- in solchem Elende keineranderen Ursache halber Weiber, als daß sie durch dieselbenentweder mit Arbeiten, als Nähen, Waschen, Spinnen,oder Krämpcln und Schachern, oder wohl gar mit Stehlenernährt werden sollten. Da war eine Fähndrichin unterden Weibern, die hatte ihren Sold wie ein Gefreiter. EineAndere war Hebamme, und brachte dadurch sich selbst undihrem Manne manchen guten Schmauß zu wcge. Anderekonnten stärken und waschen, und wuschen den ledigen Of-ficiercn und Soldaten Hemden, Strümpfe, Schlafhoscn undich weiß nicht, was Alles mehr, wovon sie ihre besonderenNamen kriegten. Noch Andere verkauften Tabak und ver-sahen den Kerlen ihre Pfeifen, die daran Mangel hatten.Und noch Andere handelten mit Branntwein und standenin dem Rufe, daß sie denselben mit Wasser, welches sichvon ihnen selbst destillirt, verfälschten, wovon er jedoch seineProbe nicht verlor. Diese war eine Näherin und konnteallerhand Stiche und Model machen, womit sie Geld er-warb. Jene wußte sich blank und bloß aus dem Felde zuernähren, indem sie im Winter Schnecken grub, im Frech-linge Salat graste, im Sommer Vogelnester ausnahm undim Herbste sonst tausenderlei Schnabclweide zu kriegenwußte. Etliche trugen Holz zum Verkauf, wie die Esel,und Manche handelten auch mit etwas Anderem. SolcherGestalt nun meine Nahrung zu haben und das Maulfutterzu erwerben, war nicht für mich, denn ich hatte schon ein