24
zu beschauen und sich damit zu erquicken. Deswegen hatsie mir befohlen, dem Herrn, als meinem Landsmauue, sol-ches anzuzcigen und ihn höher zu bitten, als selbst Venusihren Adonis gebeten hat, daß Er diesen Abend sich bei ihreinfindcn und seine Schönheit genugsam von ihr betrachtenlassen wolle, was Er ihr, als einer vornehmen Dame, vcr-hoffcntlich nicht abschlagen wird." Ich antwortete: „Ma-dame ! ich weiß nicht, was ich denken, viel weniger, was ichhierauf sagen soll! Ich erkenne mich nicht darnach beschaffenzu sein, daß eine Dame von so hoher Eigenschaft nach mei-ner Wenigkeit ein Verlangen tragen sollte. Ucberdieskommt mir in den Sinn, daß, wenn die Dame, welche michzu sehen begehrt, so vortrefflich und vornehm sei, als meinehochgeehrte Frau Landsmännin mir vorgcbracht und zu ver-stehen gegeben hat, sie wohl bei früher Tageszeit nach mirhätte schicken dürfen und mich nicht erst bei so spätem Abendhierher an diesen einsamen Ort hätte berufen lassen. Warumhat sie denn nicht befohlen, ich solle gerades Weges zu ihrkommen? Was habe ich in diesem Garten zu thun? Meinehochgeehrte Frau Landsmännin vergebe mir, wenn ich, alsein verlassener Fremder, in die Furcht gerathe, mau wollemich sonst hintcrgeh'en, sintemal mau mir gesagt hat, ichsollte zu einem Herrn kommen, was sich schon im Werkeanders befindet. Sollte ich jedoch merken, daß mau mirso vcrrätherisch mit bösen Tücken an den Leib kommen wollte,so würde ich vor meinem Tode meinen Degen noch zu ge-brauchen wissen!" — „Sachte, sachte, mein hochgeehrterHerr Landsmann!" cntgegncte sie mir, „Er lasse diese un-nöthigen Gedanken aus dem Sinne! Die Weibsbildersind seltsam und vorsichtig in ihren Anschlägen, so daß man