Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

113

thun war, wie ich den Ehestand lediger Weise treiben möchte.Ich putzte mich nicht, als nur gegen die Nacht hin, wennich zu ihr wollte, gerade wie die Heren, und den Tag überhatte ich mit den Liebesbüchern und Licbesgrillen zuthun. Daraus stellte ich Buhlcnbricflcin an meine Liebstezusammen, eben als ob ich hundert Meilen Weges von ihrgewohnt hätte, oder in vielen Jahren nicht zu ihr käme.Zuletzt machte ich mich gar gemein, weil mir meine Löffeleivon den Eltern nicht sonderlich gewehrt, sondern mir nochzugemuthet wurde, ich sollte ihre Tochter lehren auf derLaute schlagen. Da hatte ich nun einen freien Zutritt, beiTage sowohl als zuvor des Abends, also daß ich meinengewöhnlichen Reim:

Ich und eine Fledermaus

Fliegen nur bei Nachtzeit aus

änderte und ein Liedlcin machte, in welchem ich mein Glücklobte, weil cs mir auf so manchen guten Abend auch sofreudenreiche Tage verliehe, an denen ich in meiner LiebstenGegenwart meine Augen weiden und mein Herz um etwaserquicken könnte. Hingegen klagte ich auch in ebendemsel-ben Liede über mein Unglück und bezüchtigte dasselbe, daßcs mir die Nächte verbitterte und mir nicht gönnte, solcheauch wie die Tage mit liebreicher Ergötzung hinzubringcn.Und ob zwar es um etwas zu frei kam, so sang ich cs dochmeiner Liebsten mit andächtigen Seufzern und einer lust-reizenden Melodie vor, wozu die Laute das Ihrige trefflichthat und gleichsam die Jungfer mit mir bat, sie wolle dochMitwirken, daß mir die Nächte so glücklich wie die Tage be-kommen möchten. Aber ich erhielt ziemlich abschlägliche