107
gelt, wie ich einen an meinem hochgeehrten Herrn angctroffcnhabe. Wenn nur der Winter bald vorüber, oder sonst dasWetter bequem wäre, daß ich fortrciscn könnte." Ich batihn daneben, daß er mir doch ferner mit gutem Rathe be-förderlich sein wolle, auf welche Akademie ich mich begebensollte? Er antwortete: was ihn anbelange, so hätte er zuLeiden studirt; mir aber wolle er nach Genf gcrathcn haben,weil ich, der Aussprache nach, ein Hochdeutscher wäre.„Jesus Maria!" erwiderte ich, „Genf ist weiter von mei-ner Heimath entfernt, als Leiden." „Was vernehme ich?"sagte er hierauf mit großer Bestürzung; „ich höre wohl, derHerr ist ein Papist! O, mein Gott! wie finde ich michbetrogen!" „Wie so, wie so, Herr Pfarrer?" sagte ich,„muß ich darum ein Papist sein, weil ich nicht nach Genfwill?" „O, nein!" sagte er, „sondern daran höre ich cs,weil Ihr die Maria anruft." Ich entgcgncte: „Sollte
denn einem Christen nicht gebühren, die Mutter seines Er-lösers zu nennen?" „Das wohl," antwortete er; „aberich ermahne und bitte Ihn, so hoch als ich kann, Er wolleGott die Ehre geben und mir gestehen, welcher ReligionEr-zugethan sei? Denn ich zweifle sehr, daß Er dem Evan-gelium glaube — ob zwar ich Ihn alle Sonntage in meinerKirche gesehen habe — weil er am verwichcncn Feste derGeburt Christi weder bei uns noch bei den Lutherischen zumTische des Herrn gegangen ist." Ich antwortete: „DerHerr Pfarrer hört ja wohl, daß ich ein Christ bin, undwenn ich keiner wäre, so würde ich mich nicht so oft in derPredigt eingefundcn und dem Gottesdienste bcigewohnt ha-ben. Im klebrigen aber gestehe ich, daß ich weder Pctri-nisch noch Paulinisch bin, sondern allein cinsältiglich glaube,