Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

34

gar nicht rathsam; zu stürmen ohne eine Bresche, hätte vielBlut gekostet und cs wäre doch noch mißlich darum gestan-den , ob man sie übermeistcrt hätte oder nicht. Hätte manaber erst die Stucke und alles Zubehör von Münster oderHam hcrholcn sollen, so wäre gar viele Mühe, Zeit undUnkosten darauf gegangen. Indem man nun bei Großenund Kleinen bcrathschlagte, fiel mir ein, ich sollte mir dieseGelegenheit zu Nutzen machen, um mich zu erledigen. Alsogebot ich meinen Witz und alle fünf Sinne zusammen undbedachte mich, wie man wohl den Feind betrügen möchte,weil es nur an den Stücken mangelte. Und weil es mirsogleich zuficl, wie der Sache zu helfen sein mochte, so ließich meinen Oberstlicutenant wissen, daß ich Anschläge hätte,durch welche der Ort ohne Mühe und Unkosten zu bekom-men wäre, wenn ich nur Pardon erlangen und wieder auffreien Fuß gestellt werden könnte. Etliche alte und ver-suchte Soldaten lachten darüber und sagten:Wer hangt,der langt! der gute Geselle gedenkt sich loszuschwatzcn."Aber der Obcrstlieutcnanr selbst und Andere, die mich näherkannten, nahmen meine Reden an, wie einen Glaubens-artikel., der Oberstlieutenant ging deswegen selbst zumGeneralfeldzcugmeister und brachte demselben mein Bvrgc-ben an, mit der Erzählung vieler Dinge, die er von mir zusagen wußte. Weil denn nun der Graf vordem auch vomJäger gehört hatte, so ließ er mich vor sich bringen und solange meiner Bande entledigen. Der Graf hielt eben Ta-fel, als ich hinkam, und mein Oberstlicutenant erzählte ihm:als ich verwichenen Frühling meine erste Stunde unter SamtJakobs Pforte zu Soest Schildwache gestanden hätte, sei un-versehens ein starker Platzregen mit großem Donner und