Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

Augen Hütte, nicht gut, sondern er sagte ausdrücklich: wennich in kurzer Zeit meinen Instand änderte, so würde mirsolches ein schweres Gefängniß und große Leibes- und Le-bensgefahr gebären. Und weil er auch sich selbst und seinemSohne einen großen bevorstehenden Spott voraus verkün-digte und daher Ursache zu haben meinte, desto vorsichtigerund behutsamer zu lebe», so wollte er sich um so viel weni-ger in die Sachen meiner Person mischen, deren künftigegroße Gefahr er vor Augen sehen konnte. Denn er besorgte,er möchte meines künftigen Unglücks thcilhaftig werden, wennich mich offenbarte, weil er bereits vorlängst meine Heimlichkeitgewußt und mich gleichsam in- und auswendig gekannt, meineBeschaffenheit aber dem Obersten nicht kundgcthan hatte.

Kurz darauf merkte ich noch besser, daß der Schreibermeines Oberffen meinen neuen Bruder schrecklich neidete,weil er besorgte, derselbe möchte vor ihm zu derSecretariat-stelle erhoben werden. Denn ich sah wohl, wie er zu Zei-ten griesgramtc, wie ihm die Mißgunst so gedrang that,und ebenso entging es mir auch nicht, daß er allezeit inschweren Gedanken seufzte, wenn er entweder den alten oderden jungen Herzbrudcr ansah. Daraus urthcilte ich undglaubte ohne allen Zweifel, daß er Kalender machte, wie erihm ein Bein versetzen und ihn zum Falle bringen möchte. Ichrheilte meinem Bruder, sowohl aus getreuer Zuneigung alstragender Schuldigkeit, dasjenige mit, was ich argwöhnte,Damit er sich vor diesem Judasbrudcr ein wenig vorsehensollte. Er aber nahm cs auf die leichte Achsel, aus der Ur-sache, weil er dem Schreiber sowohl mit der Feder als mitdem Degen mehr als genug überlegen war und dazunoch des Obersten große Gunst und Gnade hinweg hatte.