67
nahm sich mein Herr vor, mich entweder dem Kardinal Ri-chelieu oder dem Herzoge Bernhard von Weimar zu schen-ken ; denn abgesehen davon, daß er hoffte, sich einen großenDank mit mir zu verdienen, so gab er auch vor, daß cs ihmschier unmöglich wäre, mich länger zu ertragen, weil ich ihmdie Gestalt seiner verlorenen Schwester, der ich je längerje ähnlicher würde, in so närrischem Kleide täglich vorAugen stellte. Solches widerrietb ihm jedoch der Pfarrer;denn er hielt dafür, die Zeit wäre nun gekommen, in wel-cher er ein Wunder thun und mich wieder zu einem ver-nünftigen Menschen machen wollte. Er gab demnach demGubernator den Rath, er sollte ein Paar Kalbfelle bereitenund selbige anderen Knaben anthun lassen, hernach einedritte Person bestellen, die in Gestalt eines Arztes, Prophe-ten oder Landsahrcrs mich und die erwähnten zwei an-deren Knaben mit seltsame» Cercmonicn auszichcn und ver-wenden sollte, daß er aus Thieren Mcnschcu und aus Men-schen Thiere machen könnte. Auf solche Weise könnte ichwohl wieder zurecht gebracht und mir ohne sonderlich großeMühe eingebildet werden, ich sei, wie Andere mehr, wiederzu einem Menschen geworden. Als sich nun der Guberna-ror diesen Vorschlag belieben ließ, theiltc mir der Pfarrermit, was er mit meinem Herrn verabredet hätte, und über-redete mich leicht dazu, daß ich meinen Willen darein gab.Aber das neidische Glück wollte mich so leichtlich nicht ausmeinem Narrenkleide schließen, noch auch mich das herrlichegute Leben länger genießen lassen. Denn während Gerberund Schneider mit den Kleidern umgingen, die zu dieserKomödie gehörten, trieb ich mich mit etlichen anderen Kna-ben vor der Festung auf dem Eise herum. Da führte —