99
Mensch! Du dem nichtigen Rauche gleich verschwundenerMensch! wäre dir deiner Seelen Seligkeit und des wahrenGottes Ehre so hoch angelegen gewesen, als der Abgott, derin Gestalt eines Brasilianers mit einer Rolle Tabak unterdem 'Arme und einer Pfeife im Munde auf deinem Gadensteht, so lebte ich der unzwciflichen Zuversicht, du hättest einherrliches Ehrcnkränzlcin in jener Welt zu trage» erworben."Ein anderer Esel hatte wohl noch liederlichere Götter; dennals bei einer Gesellschaft von Jedem erzählt ward, auf welcheWeise er sich in der greulichen Hungcrsnoth und theurcnZeit ernährt und durchgebracht habe, sagte dieser mit deut-schen Worten: „Die Schnecken und Frösche wären sein Herr-Gott gewesen, er hätte sonst im Mangel ihrer muffen Hun-gers sterben." Ich fragte ihn: was ihm denn damals Gottselbst gewesen wäre, der ihm solche Insekten zu seinem Un-terhalte bescheert hätte? Der Tropf wußte aber nichts zuantworten, und ich mußte mich um so viel mehr verwundern,weil ich noch nirgends gelesen hatte, daß die alten abgötti-schen Egyptier, noch die neulichsten Amerikaner jemals der-gleichen Ungeziefer für Gott ausgeschriecn, wie dieser Geckthat.
Ich kam einstmals mit einem vornehme» Herrn in eineAntiquitäten- und Kunstkammcr, darin schöne Raritätenwaren. Unter den Gemälden gefiel mir nichts besser, alsein bieoo Homo! wegen seiner erbärmlichen Darstellung, miiwelcher es die Anschauer gleichsam zum Mitleiben verzückte.Daneben hing eine papierne Karte, in China gemalt; dar-auf standen der Chineser Abgötter in ihrer Majestät sitzend,von denen ei» Thcil wie die Teufel gestaltet waren. DerHerr im Hause fragte mich, welches Stück in seiner Kunst-
7»