81
meiner bestimmten neuen Herberge, nämlich dem Stockhausezu, und überantworteten mich dem Gewaltiger, welcher mich,seinem Befehle gemäß, mit eisernen Banden und Ketten anHänden und Füßen noch um ein Mchreres zierte, gleichsamals hätte ich nicht genug an denen zu tragen gehabt, die ichbereits um den Leib herum gebunden hatte.
Dieser Anfang, mich zu bewillkommnen, war der Weltnoch nicht genug, sondern es kamen Henker und Stecken-knechte mit grausamen Folterungswcrkzeugcn, welche mir,ungeachtet ich mich meiner Unschuld zu getröstc» hatte, mei-nen elenden Zustand allererst grausam machten. „AchGott!" sagte ich zu mir selbst, „wie geschieht mir so recht!Simplicius ist darum aus dem Dienste Gottes in die Weltgelaufen, damit eine solche Mißgeburt des Christenthumsden billigen Lohn empfange, den ich mit meiner Leichtfertig-keit verdient habe. O, du unglückseliger Simplicius! wohinbringt dich deine Undankbarkeit? Siehe! Gott hatte dichkaum zu seiner Erkenntniß und in seine Dienste gebracht,so läufst du hingegen aus seine» Diensten und kehrst ihmden Rücken. Hättest du nicht mehr Eicheln und Bohnenessen können, wie zuvor, um deinem Schöpfer »»verhindertzu dienen? Hast du nicht gewußt, daß dein getreuer Ein-siedel und Lehrmeister die Welt geflohen und sich die Wild-niß auserwählt hat? O, blindes Ploch! du hast dieselbeverlassen, in der Hoffnung, deinen schändlichen Begierden— die Welt zu sehen — genug zu thun. Aber nun schaue!indem du vermeinst deine Augen zu weiden, mußt du indiesem gefährlichen Irrgarten untergehen und verderben!Hast du, unweiser Tropf! dir nicht zuvor können einbil-den , daß dein seliger Vorgänger der Welt Freude um sein
Dolksroman. I.