Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

48

Das elfte Kapitel.

Simpler erzählet Speis', Hausrath und Sachen,

Welche der Mensch sich zu Nutzen kann machen.

Zwei Jahre ungefähr, nämlich bis der Einsiedel gestor-ben war, und etwas länger als ein halbes Jahr nach dessenTode bin ich in diesem Walde verblieben. Deshalb seheich für gut an, dem curioscn Leser, der oft auch das Ge-ringste wissen will, unser Thun, Handel und Wandel, undwie wir unser Leben durchgebracht, zu erzählen.

Unsere Speise war allerhand Gartengewächs, Rüben,Kraut, Bohnen, Erbsen, Linsen, Hirsen und dergleichen ;wir verschmähten auch keine Buchnüsse, wilden Acpfcl,Birnen, Kirschen, ja selbst die Eicheln machte uns derHunger oft angenehm. Das Brod, oder besser zu sagen,unsere Kuchen bucken wir in heißer Asche, aus zerstoßenemwelschen Korn; im Winter fingen wir Vögel mit Spren-keln und Stricken, im Frühling und Sommer aber bcschecrtcuns Gott Junge aus de» Nestern. Oft behalfen wir unsmit Schnecken und Fröschen. So war uns.anch das Fischenmit Reusen und Angeln nicht zuwider, indem unweit vonunserer Wohnung ein fisch- und krcbsreicher Bach hinfloß,welches Alles unser grobes Gemüse hinunter begleitenmußte. Einstmals hatten wir ein junges wildes Schwcin-lcin aufgefangcn, welches wir in einem Pferch versperrt,mit Eicheln und Buchnüssen aufcrzogcn, gemästet und end-lich verzehrt haben, weil mein Einsiedel wußte, daß es keineSünde sein könnte, wenn man genießet, was Gott dem