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Bürger an Gleim *).
Gelliehausen, den 18ten Fcbr. 1774.
In den Armen eines Mädchens, welches mich zumewigen Gefangenen gemacht hat, beantworte ich, meinverehrungswürdiger Freund, Ihren Brief, welcher michvon neuem Ihrer edeln und thätigen Freundschaft ver-sichert. Der Gedanke, daß mich ein Gleim nicht mehrliebte und deshalb auf verschiedene meiner Briefe nichtgeantwortet hätte, hatte mich schon seit langer Zeit ganzniedergeschlagen. Wie angenehm, bester Mann, hatmich Ihr Brief wieder aufgerichtet!
So angenehm es mir wäre, in mein Vaterland zu-rückzukehren, so muß ich doch diese Aussicht fahrenlassen. Und wenn ich auch an des Kaisers Thron, jain ein Paradies gerufen würde, so hielte mich doch derArm, der mich jetzt umschlinget, zurück, dem Rufe zufolgen. Die Welt hat für mich, wie für den Lieben-den, dessen Geschichte uns Rousseau beschrieben, nurzwei Theile, den, wo Sie ist, und den, wo Sienicht ist. Jener ist der himmlische Freudensaal unddieser das dunkle Jammerthal. Ich sollte meines süßenMädchens noch Zwei Jahre entbehren? Das wäre jaeine angstvolle Ewigkeit. Immer falle demnach derVorhang nieder und verschließe meinem Blick die Aus-sicht auf Glück und Ehre!
Minnesold läßt Amt und Ehren,
Goldnen Sporn und Ritterschlag,
*) S. llterar. Convcrs-Bl. 18S2. Nr. 13. S. SS.