Bürgers Briefwechsel mit Boie über die Lenore.Mit Anmerkungen von Ioh. Heinr. Voß *).
1 .
Gelliehausen, den 19ten April 1773.
Gott grüße Sie, mein liebster Boie!
Warum sind Sie nicht gekommen? Wieder bravgeschwärmt? O, was haben Sie, Schmetterling, ge-gen mich Packesel es gut!
Ich habe alle meine Poeterei vergessen. Es willnichts mehr klingen und klappen; und arm an Gedan-ken bin ich auch. O Himmel! mein herzliches Rähm-chen wird in der Blüthe verwelken. Da Hab' ich zweiLiedlein gemacht, ein Minneliedlein und ein anderesLiedlein. Mir däucht, sie sind an manchen Stellenetwas lendenlahm. O, ich habe mich fast zu Schandengegrämt, daß ich so gar nichts mehr kann, und unsereBrüder im Apoll nehmen zu, wie die Mastkälber. DasMinnelied ist Millern dedicirt. Gleicher Gestaltwerd' ich bald eine Romanze an Hölty, und so Jeg-lichen von seiner Art etwas dediciren.
Die Epistel an Sie ist auch jetzt auf der Werkstatt.O ich armer Mensch, wenn ich nur nicht so viel Arbeit,Verdruß und Grillen hätte!
Ich habe eine herrliche Romanzen-Geschichte aus
') S. Morgenblatt Octobr. 1809. Nr. S41—245. S.961 ff.