SOS
Anderer minder wahr schildern, als ich, der ich michselbst am besten kenne, zu thun im Stande bin.
Sie haben eine Mutter, und, wie mir versichertworden ist, eine rechtschaffene und kluge Mutter. WennIhnen je in Ihrem Leben der Rath einer solchen Muttertheuer und werth war, so lassen Sie sich's in diesemFalle doppelt angelegen seyn, auf ihre Stimme zuhorchen. Sie wird vermuthlich diese Darlegung miteinem offneren und unbefangneren Sinne, als Sie, liebesüße Schwärmerin», aufnehmen, und der Rath desMutter-Kopfes wird vermuthlich zuverlässiger seyn, alsder Rath des Tochter-Herzens. Findet die Mutter, daßder Mann, der sich mit dem Pinsel der Wahrheit hierselbst geschildert hat, ohne mit Wissen und Willen irgendeinen Flecken, worauf etwas ankommen kann, auszu-lassen, dennoch wohl ein guter Mann für ihre Tochterseyn könne: nun —- so überlassen Sie sich dem vollenZuge Ihres Herzens!
Doch nein! auch alsdann noch nicht eher, als bisSie mich selbst gesehen haben. Meinen Sie, nachwiederholter und abermals wiederholter Prüfung dieserBeichte, daß ich, trotz Allem, was an mir auszusetzenist, dennoch der Mann Ihres Herzens seyn könne, wennanders mein Körperliches Ihnen nicht ganz und gar zu-wider seyn sollte; und Sie sagen mir dieses redlich,offenherzig und unbefangen: so will ich ganz in derStille, unerkannt und unter fremdem Namen, umweder Sie, noch mich selbst vor der Welt bloß zustellen, zu Ihnen nach Stuttgart kommen. Auch ichselbst muß Sie erst sehen, wie Sie leiben und leben,