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4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
191
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auch in der That kein Crösus, wiewohl ich an gemeinemKlappergelde nicht eben ein Bettler bin.

Mein Charakter und meine Gesinnungen möchtenzwar vielleicht noch etwas mehr werth seyn, als meineGeistes-Talente. Dennoch fühle ich, daß ich mit jenennoch weit unzufriedener seyn muß, als mit diesen. Dennso wie ich hier nicht nur erkenne, was zum bester undvollkommener seyn gehört, so fühle ich auch gar wohldie Möglichkeit, diese Vollkommenheit zu erreichen, wennich nur nicht von Trägheit, Weichlichkeit und Sinnen-lust mich so oft abhalten ließe. Dies verursacht, daßich auch in Ansehung dessen, worin ich vielleicht wirk-lich besser bin, als andere Menschen, dennoch nichtgar viel von mir selbst halten kann. Denn da ich zuwenig Herr meiner Neigungen bin, um mich von ihnenloszureisten, wenn es darauf ankommt, dem geradegegen über liegenden, von mir selbst erkannten, bewun-derten und geliebten Guten nachzustreben: so muß ichwohl mein wirkliches Gute nur für Product eines un-terstützenden Temperamentes halten. So glaube ich,zum Beispiel, nicht, daß ich grob, beleidigend, hämisch,boshaft, zänkisch, unversöhnlich, rachgierig, u. s. w.bin: aber warum bin ich's nicht? Etwa weil ich dasAlles für unrecht, das Gegentheil aber für Pflicht halte?Ach, das thue ich freilich! aber darum meide ich wohlnicht jene Laster und übe die entgegengesetzten Tugen-den aus; sondern vielleicht nur darum, weil mein trägesund weichliches Temperament Ruhe und Frieden liebt.Wie manche meiner Tugenden mag aus Eigenliebe,Eitelkeit und Ruhmsucht entspringen!