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4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
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bedauerte, daß seine Umstände ihn kaum eine Gabe voneinigen Thalern «erstatteten. Aber er that etwas, dasihm, bei seiner von jeder Art der Zudringlichkeit so weitentfernten Denkungsart, gewiß weit größere Ueberwin-dung kostete, als die Aufopferung einer namhaftenSumme aus seinen eigenen Mitteln. Er forderte dieangeseheneren Einwohner von Göttingen durch einigeZeilen, die er herumlaufen ließ, aus, einem durchMangel in's höchste Elend versunkenen Menschen vonihrem Ueberflusse etwas mitzutheilcn. Der Mensch, sagteer, habe zwar keine großen Ansprüche auf Hochachtungund sein gegenwärtiges Unglück sey wohl nicht ganz un-verschuldet; aber er habe als Unglücklicher Ansprücheauf unser Mitleiden, und das Mitleiden borge ja derGerechtigkeit nicht immer die Wage ab, u. s. w.Der Erfolg dieser Unternehmung übertraf Bürgers Er-wartung. Es kamen in wenigen Stunden gegen hun-dert Thaler zusammen, die er nebst seinem eigenenSchärflein dem Unglücklichen mit großer Freude über-sandte.

Aber Weichheit des Herzens und Empfänglichkeitfür Mitleid, selbst mit Menschen, die es um ihn sowenig verdient hatten, war nicht der einzige rühmlicheZug in Bürgers Charakter. Sein moralischer Sinnwar eben so fein und zart, als sein ästhetischer, undseine Grundsätze waren gewiß nicht verwerflich, wenner gleich zuweilen, oder vielmehr oft, verleitet wurde,ihrer zu vergessen. Gute und edle Handlungen, die ervon Andern las, oder hörte, konnten ihn oft in trübenStunden aufheitern, zumal wenn es Männer von An-