Druckschrift 
4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

149

aufzuraffen, und sing nun wieder an, sich den akademi-schen Beschäftigungen ganz zu widmen. Im Winter1787 hielt er öffentliche Vorlesungen über die kritischePhilosophie, welche zahlreich besucht wurden. Unterdessenhatte seine Gesundheit, die schon lange zerrüttet gewesenwar, durch die vielen großen und kleinen Leiden undUnannehmlichkeiten, welche er erfahren hatte, immer mehrgelitten, und nothwendig mußten dadurch auch die Schwin-gen seines Geistes gelähmt werden. Er schrieb einst:„Immer währende Kränklichkeit des Leibes belastet mehrdenn allzu oft die natürliche Kraft und Thätigkeit mei-nes Geistes mit so drückenden Fesseln; sie lähmt-derge-stalt die lebendigsten Springfedern des Herzens: daßbisweilen kein Leben, kein Streben, kein Wunsch mirnoch übrig zu seyn scheint, als der letzte Wunsch allerMühebeladenen und Müden, der Wunsch, aus einembeschwerlichen zusammen gepreßten Daseyn in die Ruhedes Nichtseyns hinab zu taumeln."

So quälte er sich unter körperlichen Leiden und un-gewohnten zum Theil nicht leichten Arbeiten fort, bisim Jahre 1787 seine Gesundheit nach einer gebrauchtenKur ein wenig besser geworden zu seyn schien. Jetzthatte er der heiteren Stunden mehr, in denen er daslängst empfangene hohe Lied vollendete und gebar,das Gedicht an Boie, Vorgefühl der Gesundheitüberschrieben, nebst einigen andern Gedichten verfertigte,und Vorbereitungen zu der zweiten Ausgabe seiner Ge-dichte machte, welche 1789 in zwei Banden erschien.Bei der fünfzigjährigen Jubelfeier unserer Universität imJahre 1787, die er durch zwei Gedichte verherrlichte,