468
Muth in uns aufrecht zu erhalten, so wird es gutseyn, oft mit ganzer Aufmerksamkeit unsers Gemüthesdie großen Wahrheiten zu wiederholen, die einmal beiuns entschieden sind, und worauf unsere Rechtschaffen-heit, soll sie anders echt und dauerhaft seyn, sichstützen muß. In einsamen Stunden müssen wir unsoft den hohen Betrachtungen über unsere Menschen-würde und über das überirdische Glück, wozu unserGeist geschaffen ist, überlassen, über den ewigen Unter-schied, der sich in den Augen einer heiligen und ge-rechten Gottheit zwischen Tugend und Laster findet,und über das äußerst verschiedene Schicksal, welchesdie Verehrer der Rechtschaffenheit, und die Freundeder Thorheit und Unsittlichkeit ganz unfehlbar treffenmuß. Nur durch solche oft wiederholten, mit bestän-diger Rücksicht auf unfern jedesmaligen Gemüthszustandangestellten Betrachtungen werden wir verhüten, daßdiese Wahrheiten, welche uns über Alles theuer seynmüssen durch die stets abwechselnden äußerlichen Ein-drücke nach und nach verdunkelt und entkräftet werden.Wir werden uns mit denselben auf diese Weise immervertrauter machen, und sie auch unter den Zerstreu-ungen, welche uns aus unfern irdischen Angelegenheitenentstehen, unserm Gemüthe stets gegenwärtig erhalten,damit es uns in keiner Lage unsers Lebens an Stärkeund Entschlossenheit fehle, für Tugend und Gewissenalles zu wagen.
Werden wir aber bei dem Allen noch mancher unsanklebenden Schwachheiten gewahr, so laßt uns darumnicht kleinmüthig oder verdrossen werden. Des Menschen