weil sie fürchtet, es möchte Anstrengung der Kräfte,Verläugnung und Aufopferungen kosten. Vergebenshoffest du, es werde dir in den spätem Lebensjahrenleichter werden, dich selbst zu besiegen, der Leitungdeiner Vernunft und ihrer ewigen Gesetze zu folgen,und deine guten Entschließungen gegen die Macht derVorurtheile, gegen die Reizungen der Sinnlichkeit undgegen alle die Hindernisse, vor welchen du jetzt nochzagest, zu behaupten. Ja, wann die Begierden durchdie lange Befriedigung völlig verwöhnet; wann dieBegriffe von Recht und Wicht in deiner Seele ver-dunkelt, und die Gefühle für Tugend und wahreMenschenwürde durch die unglückliche Fertigkeit, ihnenzuwider zu handeln, bei dir geschwächt, oder gar er-stickt sind; wann dein Gemüth durch die Länge derZeit sich noch mehr nach dem verderbten Wcltton ge-stimmet, und die praktischen Vorurtheile und die bösenBeispiele über einen guten Grundsatz nach dem anderngesiegt haben; wann es dir zur Gewohnheit gewordenist, jede Regung deiner noch nicht ganz erstorbenenpraktischen Vernunft durch allerlei Scheingründe zuberuhigen, welche den Neigungen und Leidenschafteneines verderbten Herzens immer zu Gebote zu stehenpflegen, und womit du dich schon jetzt so gut zu täu-schen verstehest: — sage, woher soll dir alsdann derMuth zu den großen und kühnen Entschließungen kom-men, wozu du dich gegenwärtig zu schwach fühlest?Woher die ausdauernde Seelenstärke zu dem Kampfegegen die Thorheiten und Untugenden eines in Eitelkeitund Lastern versunkenen Zeitalters, welchen du dich
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