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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
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uns fehlen, geben wir so gern Raum, daß derjenige,der nur für den gegenwärtigen Augenblick leben will,und sein Glück weder nach dem, was er verloren hat,noch mit den Blicken des Neides mißt, leicht immergenug haben wird. Warum sähen wir sonst, zurgroßen Verherrlichung der ewigen Vorsicht, welche dieZufriedenheit an keinen Stand, an kein Maß vonGlücksgütern ausschließlich hat binden wollen, warumsähen wir sonst so viele Zufriedene, so viele Glücklichein der äußersten Dürftigkeit?

Meine Brüder, lassen Sie uns doch einmal einwenig sehen, was uns wohl einen Theil dieser Zufrie-denheit gewähren könnte. Lange Bekanntschaft mitdem Mangel, mit der Niedrigkeit und mit dem Elendemag etwas, ja, vielleicht sehr viel dazu beitragen. Wirstimmen unsere Gesinnungen bald zu den Umständen,aus denen wir uns nicht helfen können. Ohne daßnun gerade die Angewöhnung an unsere Umstände biszu einer thierischen, gleichgültigen Unempfindlichkeitherab zu sinken braucht, so stelle ich mir doch vor, daßein gewisser Grad derselben im Unglücke gute Diensteleiste. Unser ganzes Selbst fügt sich früh oder spät inseine Lage.

So wie unsere Sinnwerkzeuge von selbst die ge-wohnte Richtung annehmen, worin sie am bequemsteneinen Gegenstand empfinden können, so unvermerktstimmt die Seele ihre Gesinnungen zu unserm Glücke,weil sie es dunkel fühlt, daß das wahre Unglück eigent-lich in der Disharmonie der Gesinnungen und der Um-stände bestehe.

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