lehrten, und zwar hauptsächlich durch die schreibendenGelehrten.
Sie haben jetzo gut sagen von der Schön- undRichtigsprecherei Ihrer obern Claffen. Wie kommt esdenn, daß die obern Claffen richtiger und schönersprechen? Von nichts sonst, als von dem Unterrichte,gleich viel, ob von mündlichem oder schriftlichem, docham Ende von dem Unterrichte der Gelehrten, weil dieobern Clafsen Vermögen und Gelegenheit haben, sichdiesen Unterricht zu verschaffen. Nehmen Sie docheinmal Ihren obern Claffen im südlichen Ober-Sach-sen Bücher und Schulen weg, und kommen Sie nachein Paar hundert Jahren wieder, um das schöne Deutschzu hören, was Ihre obern Claffen alsdann sprechenwerden! Warum sprechen denn wohl die untern Clas-sen in Ober-Sachsen um so viel unrichtiger und schlech-ter, als die obern? Sie sind ja doch mit den obern inbeständigem Umgang und Verkehr. Mithin müßte dieserUnterschied nicht Statt haben. Also lediglich daher, weildie untern Claffen keinen gelehrten Unterricht genießen.
Uebrigens, wenn nach Ihrer Aeußerung die höchstmögliche Verständlichkeit die Absicht der Schrift ist, sosehe ich nicht ein, warum Sie gerade blos den Ge-schmack, und nicht vielmehr die Vernunft zur Ausbil-Lerinn der Schriftsprache machen. Ich gebe gern zu,daß sie hierin irren würden; allein Sie irren auch ganzgewaltig, wenn Sie blos die höchst mögliche Verständ-lichkeit zur alleinigen Absicht der Schrift machen. Dennwas höchst verständlich ist, ist darum noch lange nichtschön. Gleichwohl soll der Geschmack mit an den