Druckschrift 
3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
422
Einzelbild herunterladen
 

422

geschrieben wird. Nun sagen Sie mir um des Him-mels willen, wird die Schriftsprache eher fertig, alsman schreibt, oder schreibt man schon eher, als dieSchriftsprache fertig wird?

Das Erste müssen Sie ganz nothwendig behaupten,wenn Sie die Bildung der Schriftsprache den Gelehr-ten absprechen, und blos den obern Classen einesVolkes beilegen. Nach ihrer Vorstellung nehmen dieDinge also ungefähr folgenden Lauf. Ein isolirtesVolk, mit Fleiß sage ich, ein isolirtes, Sie wer-den bald hören, warum? ein isolirtes Volkalso fängt nach und nach an und kommt immer wei-ter, sich an allen Kräften seines Geistes zu regen.-Von Schreibkunst weiß es noch nichts. Man theiltsich seine Begriffe und Empfindungen blos mündlichmit, wodurch man sich doch gleichwohl schon wechsels-weise unterrichtet und belehret, dergestalt, daß schonda dasjenige, was man Gelehrsamkeit nennt, zu schal-ten ansängt. Man geräth dadurch aus eine Mengevon Handkünsten und Erfindungen. Es erhebt sichCultur und Wohlstand des Volks, und scheidet es inClassen, in höhere, blos geistig raffinirende, und ge-ringere, körperlich ausübende Classen. Es leidet nunkeinen Zweifel, daß der Sprachvorrath des Volks sichdadurch unendlich vermehrt, ja, ich gebe sogar zu,daß er so ansehnlich werden könnte, daß das ganzeGebäude einer Schriftsprache daraus aufzusühren wäre.Aber wird es denn wohl wirklich aufgeführet, che dieeigentlichen und alleinigen Baumeister kommen, undHand an's Werk legen, den Vorrath zu den man-