4SI
machen. Aber wir wollen das Ding doch noch voneiner andern Seite betrachten.
Sie verstehen doch wohl unter Geschmack das Ver-mögen, in den Künsten das Schöne und Nichtschönezu empfinden. Diese sind bekanntlich redend und bil-dend. Auf die redenden scheinen Sie nicht einmalRücksicht genommen zu haben. Denn wenn Hand-lung, Manufacturen, Bergbau und sonstige Gewerbeden Wohlstand ihres geliebten Ober-Sachsens erhö-het und es zu Geschmack in den Künsten verhelfenhaben, so ist fast offenbar, daß alle diese Umständezwar allenfalls einen Einfluß auf die bildenden Künstegehabt haben können. Aber ich bitte Sie, mich zubelehren, wie diese mit den redenden, in so fern ichdie Rede blos als Materie betrachte, woraus dasKunstwerk hervorgebracht wird, zusammen hängen?In Ansehung des Geistes, der die Kunstwerke belebt,sind sich zwar beiderlei Gattungen, sowohl redende,als bildende Künste, sehr nahe verwandt, ja, siescheinen oft einerlei Leben und Seele zu athmen;aber ihr Aeußerliches, ihr Körperliches, ihr Materiel-les, wie Himmelweit ist das von einander verschieden!Töne, und Farben, oder Marmor! Bedenken Sie!
Gleichwohl sollen die bildenden oder die Hand-künste des südlichen Ober-Sachsens, die doch nochdas nicht einmal, sondern nur blos gemeine Hand-werke waren, den obern Elasten Geschmack eingeflößet,und dieser hinwiederum eine Schriftsprache gebildethaben! Was ist denn übrigens eine Schriftsprache?Doch wohl nichts anders, als eine Sprache, worin