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mcmd darf doch wohl behaupten, daß die Fähigkeit,das Schöne und Nichtfchöne zu empfinden, mit allenMenschen geboren werde und mit ihnen aufwachse,weil sonst alle Menschen von sich selbst auch gutenGeschmack besitzen würden. Es muß also nothwendigein Etwas sepn, was dieses Vermögen, diese Fähig-em!) Fertigkeit, nähret, erweitert, bildet, bestimmet,feststellt. Dieses Etwas aber kann wohl nichts an-ders seyn, als die Vernunft, dieses Vermögen, dasWahre, Vollkommene, Richtige und Schöne nicht zuempfinden, sondern zu erkennen.
Wenn ich nun sage, die Vernunft bildet den Ge-schmack, so sage ich doch wohl nichts anders, als,vernünftige Leute bringen sich und Andern eine Fahig-und Fertigkeit bei, das Schöne und Nichtfchöne zuempfinden. Hierzu wird nothwendig erfordert, daßder wahre Begriff des Schönen schon zum Voraus rich-tig bestimmt sey, welches lediglich das Werk der Vernunftzu seyn scheinet. Vernünftige Leute aber, in völligerAlles umfassender Bedeutung des Worts, müssen Sie,sie mögen auf Schulen oder Universitäten gewesenseyn, oder nicht, nothwendig für gelehrte Leute hal-ten, weil wohl Niemand blos aus sich selbst, ohnefremden Unterricht und ohne Belehrung ein vollkom-men vernünftiger Mensch werden kann. Es folgt alsohieraus, daß gelehrte Leute den Geschmack bilden.
Wenn also der Geschmack eine Sprache zur Schrift-sprache macht, so erhellet schon aus Obigem, daß nichtsowohl die obern Classen, als vielmehr die Gelehrtenin den obern Classen die Sprache zur Schriftsprache