Druckschrift 
3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
376
Einzelbild herunterladen
 

376

Demosthenischen Rede an bis auf den Frachtzettel herab,unter das allgemeine Gesetz der Schönheit gehörten:so schweben dem gemeinen Verstände doch allzu vieleGegenstände von ganz anderer Art vor Augen, denender unbesonnene und selten ganz nüchterne Sprachge-brauch des gemeinen Lebens gleichfalls Eigenschaftender Schönheit beilegt, die sich mit demjenigen, wasman auch in der Schreibart, so wohl in weiterer, alsengerer Bedeutung schön nennen möchte, nicht füglichvereinigen lassen.

Weit besser wäre es daher, wenn man sich deSWortes Schönheit in der Theorie des Styls ganzenthielte, und das Grundgesetz, das man unter ihremNamen aufzustellen versucht hat, lieber das Gesetz derVollkommenheit nennte. Alsdann würde überalldie Deduktion viel kürzer und leichter, gleichwohl aberweit einleuchtender seyn, daß Jedermann, der irgendzu einem Behuse spricht, oder nur eine Zeile schreibt,daß der gemeinste Federmann eben so gut, als dervornehmste Dichter, Redner und Geschichtschreiber, vondiesem Gesetze sich richten zu lassen verbunden sey.Denn Vollkommenheit ist nichts anders, als Ueberein-stimmung der Mittel zum Zwecke. Nun thut ja wohlkein vernünftiger Mensch den Mund auf, oder setzt dieFeder an, ohne irgend einen Zweck vor sich zu haben.Die Wahl unter den Mitteln, welche ihm Natur undKunst darbieten, kann unmöglich gleichgültig seyn.So wie unter tausend Linien, die von einem Punctezum andern führen, nur eine einzige die geradeste undkürzeste mit Ausschließung aller übrigen ist, so darf man