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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
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Zelten unsere Schriftstellerei in einen Stillstand gcra-then, oder hätten alle Schriftsteller seit Luthers ZeitenAdelungs Theorie befolgt, hätten sie sich zur Ein-kleidung ihrer Gedanken der Sprache schlechterdingsnicht anders bedient, als etwa die obcrn Volks-Classenin Ober-Sachsen sie lieferten, hätten sie höchstens darun-ter nur ausgewahlt, kcineswegcs aber neue Wörter,neue Wertformen, neue Verbindungsarten eingeführt,hakten sie also nicht in der That erfunden und ausge-bildet, würde unsere Sprache alsdann wohl die Stufeihrer gegenwärtigen Vollkommenheit erstiegen haben?Das könnte wohl nur ein Haberecht behaupten, mitwelchem sich gar nicht vernünftig streiten ließe.

Also haben ganz unstreitig die Schriftsteller einenüberaus großen, ja, den größten Antheil an der Be-reicherung und Ausbildung der Sprache. Nur müssennicht immer herrschsüchtige Sprachmeister mit Keulenvor sie hintretcn. Auch dürfen eben so wenig dieSchriftsteller nach unumschränkter Willkür hierin ver-fahren ; sondern sie müssen sich in ihren Ableitungenund Zusammensetzungen neuer Wörter, in ihren Ver-bindungsarten und Wendungen nach dem Genius derSprache richten. Sie müssen das höchste Sprech- undSchreibgesctz, möglichst leichte und wohl gefäl-lige Verständlichkeit, vor Augen haben. Wennsie aber dieses beobachten, so brauchen sie bei irgendeiner Neuerung gar nicht zu fragen: Hat schon irgendJemand so gesprochen und geschrieben? Sondern siefragen nur: Kann man dem Genius der Sprache ge-mäß so sagen? Ist es nützlich, ist es nothwendig, sich