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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
363
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Was habt ihr denn wohl für Vorstellungen von demEntstehen des Sprachgebrauches und seiner Verände-rungen? Etwa eben so seltsame, als Adelung, wenner den Schriftstellern die vorzüglichsten Verdienste umdie Sprache abspricht? Wenn dieses ist, so muß ich,da ich doch einmal von meinem Ziele abgcschweift bin,noch ein Wort weiter hierüber reden. Adelung sagtin seinem Buche über den Styl, einem Werke, welchesfür die ästhetischen Gattungen des Vortrags eben sogroßen Schaden, als für die logischen Vortheil zustisten im Stande ist, mit dürren Worten:DieVerdienste des Schriftstellers um die Sprache bestehenweder im Erfinden, noch Ausbilden, sondern blos ineiner großem Reinigkeit, und in einer sorgfältigemAuswahl, als der flüchtige und schnell vorüber gehendeAusdruck in den meisten Fällen gestattet." Die Gründe,womit er diese Behauptung unterstützt, scheinen sehrunzulänglich zu seyn, und keinesweges das zu erweisen,was sie erweisen sollen. Er sagt: Sprache ist dasgemeinschaftliche Eigenthum der ganzen Gesellschaft.Sie folgt dem jedesmaligen Grade des Geschmacksund der klaren Borstellu ngs art im Ganzen.Jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft muß sich alsodem jedesmaligen Zustande seiner Sprachegemäß ausdrücken, wenn es anders verstanden, odergern gehört, gern gelesen seyn will. Nun sind aberdie Schriftsteller nur einzelne Glieder der Gesellschaft;also müssen sie sich dem jedesmaligen Zustande derSprache gemäß ausdrücken. Sie dürfen also nichtschaffen und nicht ausbilden.