Druckschrift 
3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
358
Einzelbild herunterladen
 

358

als sie jetzt hat, noch erlangen werde. Ein Schrift-steller, und besonders ein Dichter von feinem Ohrekann freilich durch Auswahl und Stellung der Wörterein Großes leisten, allein die Wörter selbst und ihreGestalt kann er doch nicht wider den Sprech- undSchreibgebrauch verändern, und wenn für einen noth-wendigen Begriff gerade kein anderes, als ein in jederVerbindung übelklingendes Wort vorhanden ist, somuß er sich dessen bedienen, er mag sich auch sträuben,wie er will. Wenn ich gerade die Vorstellung einesSeufzers brauche, was für ein Mittel bleibt mirübrig, dem schändlichsten Worte nuszuweichen'? Dennschändlich ist es doch offenbar, wenn man auch gleichkeine 8v8piri oder 8oupir8 daneben hält. Soll ichetwa ein unbetontes e einschieben, und Seufezer-jagen? Nun wahrlich, damit möchte doch verzweifeltwenig gewonnen seyn.

Ein nicht unbeträchtliches Mittel, unserer Sprachemehr Leichtigkeit, Geschmeidigkeit und Wohlklang, durchHinwegschaffung einiger harten Eonsonanten und Con-sonanten-Verbindungen, zu erwerben, wüßte ich allen-falls; und dieses würde darin bestehen, daß man dernatürlichen Geneigtheit des gemeinen sichselbst überlassenen Sprechgc brauches, ge-wisse auffallende Härten zu vermeiden,durch die Schrift zu Hülfe zu kommensuchte. Alsdann müßte aber unfern Deutschen Sprach-meistern wenigstens auf hundert Jahre hinaus Mundund Feder verboten werden können, ohne daß mangleichwohl aushörte, ästhetische Schriftwerke zu ver-