denke, so fällt mir das Wort freu de ein, welchesin der Redensart, sich der Liebe freuen, sehrschicklich und ungezwungen sich wird brauchen lassenkönnen. Bei fortgesetztem und genauern Nachdenkenfinde ich gar, daß die ganze Sprache kein einziges sorichtiges und einpaffendes Reimwort darbietet, als nurdieses. Mit welchem andern sollte ich den Hauptge-danken, der an dieser Stelle stehen muß, so leicht undungezwungen darstellen, als durch freute in demVerse: Was der Liebe je sich freute? — Wennnun aber ferner der antithetische Wort - und Gedanken-wechsel des Originals in einer Deutschen vierzeiligenStanze bewerkstelliget werden soll, so müßten die ersteund die vierte, so wie die zweite und die dritte Zeileeinander, so wohl der Materie, als der Form nach,genau correspondiren. Diese Correspondenz aber findetsich weder den Worten, noch den Gedanken nach,zwischen den beiden Modificationen, Liebe erkor,und der Liebe sich freute. — Die gedoppelteCorrespondenz, so wohl des Inhalts, als des Ausdrucks,auf dem betretenen Wege zu Stande zu bringen,mochte wohl nicht nur äußerst schwer, sondern selbstunmöglich seyn. Aber der Gedanke der zweitenZeile läßt sich allenfalls noch so modificiren, daß erdem in der dritten ziemlich ähnlich wird, und hiermitwird man wegen der unübcrsteiglichen Hindernisse, dieder Kunst in den Weg gewalzt werden, zufrieden seynmüssen. Sage ich also:
Morgen liebe, was bis heuteNie der Liebe Lust erkor!