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Hauptbedingung ist hier: Wenn man das Eine will,
so muß man von dem Andern etwas fahren lassen.Will man also das antithetische Wechselspiel in Gedan-ken- und Wortstellung dem Originale so nahe gebrachtsehen, daß in dieser Rücksicht fast nichts zu wünschenübrig bleibt, so wird man auf Eins und das Anderevon den übrigen Forderungen, z. B. auf Tonwechsel,auf höhere Sonorität der Reime, u. s. w. Verzichtthun, will man aber von den obigen drei letzten Num-mern durchaus nichts aufgeben, so wird man von derEigenschaft unter Nummer zwei wenigstens die Hälfte,ja, vielleicht noch mehr schwinden lassen müssen. Dennso wenig die Sprache mit ihren Wörtern und Wort-formen, als der Eigensinn des Verses und besondersdes Reimes werden Alles in höchster Vollkommenheitmit einander vereinigen lasten. Da indessen die zweiteForderung hauptsächlich den Geist, die drei übrigenaber mehr den Buchstaben betreffen, so dächte ich,könnte es nicht zweifelhaft seyn, was man lieber wollensollte. Nun zur Prüfung der Lesearten nach denobigen Gesetzen.
Die Leseart der ersten Ausgabe meiner Gedichtelautete also:
Morgen liebe, wer die LiebeSchon gekanntMorgen liebe, wer die LiebeNie empfand!
Die originelle Nacktheit der Ideen war hierinziemlich erreicht. Denn das Bißchen Einkleidung inLiebe schon gekannt, und Liebe nie empfand,