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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
295
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Urtheilskraft triegt, erhob sich mein Gedicht zu höher»Stufen der Vollendung. Schon auf seiner niedrigemhatte man es mehrmals für ein Muster der Vcrskunstund des Deutschen Wohlklanges ausgegebcn; und selbstDiejenigen, die den Werth meiner meisten übrigenGedichte lief genug herab zu setzen strebten, glaubtendoch, von diesem mit Achtung reden zu müssen. DieseUmstande, und das vorzügliche Gelingen einiger Stel-len, ein Gelingen, welches mein Urtheil zu jeder Zeitund in jeder Stimmung befriedigte, erregten in mireinen kühnen und anmaßenden Gedanken, der, wennich ihn gestehe, mir von dem Stuhle der Kritik einenharten Stand machen wird. Dennoch soll mich dasnicht abhaltcn, ihn offenherzig zu gestehen, weil ichüberzeugt bin, daß die Nachtfeier nicht das gewor-den wäre, was sie nun ist, wenn er mich nicht be-geistert hätte. Ich dachte, wenn das ganze Gedichtdurchaus so vollendet wäre, als anfänglich in einigenStellen, so könnte es wohl für die Deutsche Vers-und Reimkunst, in Rücksicht auf eine, dem inncrnpoetischen Geiste unabbrüchige, strenge prosodische Rich-tigkeit, auf Euphonie und Harmonie, eben das seyn,was der berühmte Kanon des Polyklet für die Bild-nerei gewesen seyn soll. Ich war kühn genug, zuglauben, daß der unaufhörliche Wechsel einer lebendi-den Sprache, wie die Deutsche ist, so wenig imStande scpn würde, an dem Wcrthe dieses Gedichtesin geraumer Zeit etwas zu vermindern, daß vielmehrdasselbe, so weit es nämlich in Deutsche Diction undVers-Mechanik vermittelst ewig schöner Gedanken