Druckschrift 
3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
293
Einzelbild herunterladen
 

293

daß Ramler, welchem mein Freund Boie diesesGedicht in Abschrift mitgetheilt hatte, es der Mühewerth halten konnte, dieselbe weiter zur Schönheitauszubilden. Mit den Ramlerschen Umbildungen er-schien die Nachtfeier, ich weiß nicht wie, zuerst imDeutschen Mercur vom Jahre 1773, und kurz da-rauf, wenn nicht mit allen, dennoch den meisten Ram-lerschen Lesearten im Göttingischen Musen-Almanachefür das Jahr 1774, den Boie damals besorgte.Zum dritten Male ließ sie Ramler in seiner LyrischenBlumenlese vom Jahre 1774, und wenn ich nichtirre, mit noch einigen neuen kleinen Umänderungenabdrucken. Ich stand damals noch in denjenigen

Lehrlingsjahren, in welchen man die ältern, allgemeinanerkannten Meister der Kunst, wie Ramler war,nicht blos für das, was sie sind, nämlich fürmenschliche, mithin dem Jrrthum unterworfene, undallenfalls noch wohl zu übcrtrcffende Meister, son-dern für allwissende und unfehlbare Götter zu haltengeneigt ist. Nicht nur ihre neuen Vorschläge scheinenuns dann über jede Einwendung erhaben zu seyn,sondern wir wissen sogar die triftigsten Bedenklich-keiten gegen unser eigenes Machwerk, wenn ihr Ur-lheil es auch nur stillschweigend gut geheißen hat.Man wird sich daher nicht wundern, wenn ich so wohldamals, als noch mehrere Jahre nachher, die Ram-lerschen Umänderungen für das reinste, gediegendste,auf keine Weise mehr goldener zu machende Goldhielt, besonders da sie meine eigenen ersten Leseartcn inder That so weit übertrafcn, daß ich einige derselben