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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
269
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dürfen nicht auf wirklich lange betonte geklappt wer-den. Der Mißklang wird hier noch ärger, wenn dieletzten gedehnt sind, z. B. Grazien, stehn. Dassind sehr schändliche Reime.

2) Falsche Reime geben ferner alle zusammen ge-paarten Vocale, die nicht mit einerlei Oeffnung desMundes ausgesprochen werden. Ist die Verschieden-heit der Oeffnung zu beträchtlich, so ist auch dieDissonanz zu auffallend, als daß nicht auch das dicksteOhr sie empfinden sollte. Nicht leicht wird daherwohl Jemand a, c, i, o, u, auf einander reimenwollen, cs müßten denn ganz rohe ungebildete, ebenso falsch hörende, als sprechende Schwaben seyn, diewohl sonst und Kunst, können und sinnen aufeinander zu reimen im Stande sind. Allein die Vo-cale ä, e, ö, ingleichen i und ü, wie auch die Diph-tongen ei, eu, ai und äu sind unter einander un-gleich näher verwandt. Was ist von diesen zu hal-ten? Will man es ganz genau und strenge neh-men, so sind Thränen, sehnen und stöhnen,Lehre und Sphäre, Meer und Speer, Liebeund trübe, Blick und Glück, träumen und lei-men, Feind und Freund, keine ganz richtigenReime. Da indessen hier die Dissonanz nicht so auf-fallend ist; da ein guter Vorleser durch Senkung deseinen und Erhebung des andern beiderlei Töne einan-der ziemlich nähern kann; da ein so großer Mangelan Reimen in unserer Sprache ist, und da endlicheben daher das Ansehen aller, auch unserer bestenDichter ohne Ausnahme sie in Schutz nimmt, so darf