mener Natur und Wahrheit darstellen zu können.Hätte er aber, was sich doch ohne Unbesonnenheit kaumbehaupten laßt, den ganzen möglichen Borrath bereitsan Nebenpersonen verschwendet, so hätte sich Timan-thes unstreitig beträchtlicher Fehler schuldig gemacht»Er hätte mit seinem Stoffe übel Haus gehalten, undbesonders die poetische Wahrheit dadurch nicht wenigverletzt, daß er den Nebenpersonen Züge ausgeladen, dieblos der Hauptperson gebührt hätten.
So wäre denn ja Timanthes wohl gar überetwas zu tadeln, weßwegen ihn die Kunst-Magister seitJahrtausenden gelobpriesen haben? Freilich, wenn dieMagister die Ursache seines Verfahrens richtig erklären.Allein kommt diese Entdeckung nicht fast ein wenig zuspät? Ist sie nicht schon um deßwillen verdächtig?Und wird sie nicht durch die allgemeine Bewunderungvernichtet, die diese Verschleierung hervor brachte? Siemuß also doch wohl das Ihrige gewirkt haben. — Ei,wer läugnet denn dieses? Auch ich finde sie, so gut,als alle Magister der vergangenen und gegenwärtigenZeit, höchst zweckmäßig, höchst vortrefflich. Aber nichtum jenes Grundes, sondern um ihrer Wirkung willen,die immer eben dieselbe bleibt, der Künstler mag nunaus dieser, oder einer andern Absicht, mit oder ohneBewußtsein, also zu Werke gegangen seyn.
Es pflegt nicht selten zu geschehen, daß die kunst-richternde Vernunft und das Genie auf einerlei Ziel,wiewohl aus sehr verschiedenen Absichten, lossteuern»Die gute Matrone bildet sich dann ein, sie führe dasRuder, und das Genie folge lediglich ihrer Leitung»