auszumachen, welches dieser oft selbst nicht recht weiß;nämlich, was für Bestimmungsgründe jeglichen seinerSchritte zum Ziele geleitet haben?
Hätten jedoch Plinius und seine Leute Recht, sodäucht mir, daß blos um eines Einfalls willen, womitder Künstler sich aus einer selbstgemachten Verlegenheithelfen mußte, von seinem Genie kein solches Aufhebenhätte gemacht werden sollen. Jene Verschleierung wärealsdann noch nicht so viel werth gewesen, als ein Bon-mot, womit noch alle Tage ein munterer Kopf einenVerstoß in Worten oder Handlungen augenblicklich wie-der gut macht. Sie wäre ein Kunststückchen gewesen,das auch leicht ein langsamer Alltagskopf hätte erfindenkönnen; ein armseliges Kunststückchen, welches nunmehr,nachdem es nur ein einziges Mal vorgemacht worden,von jedem noch so armseligen Stümper auf denallerersten Versuch herzlich leicht nachgemacht werdenkönnte.
Niemals aber ist das wahre Genie in den Stun-den seiner Kraft ein solcher armer Stümper. Es hatdes Stoffes eher zu viel, als zu wenig, und ist weitminder um den Vorrath, als um den schicklichen Ge-brauch desselben verlegen. Wenn ich daher dem Mah-ler Timanthes wahres Genie, wenn ich ihm die-jenige Fülle der Begeisterung zutrauen soll, in welchergleichsam ein überirdischer Strahl von oben die ganzewirkliche und identische Natur umher aufdeckt und er-leuchtet, so muß ich ihm auch so viel Vorrath anmannigfaltigen Kummerzügen zutrauen, um ein jedes,selbst das Angesicht des leidenden Vaters in vollkom-