236
eine, und natürlich die beste, kaufen. Es sind daseben dieselben, denen es genug ist, zu gehöriger Jahrs-zeit nicht mehr und nicht weniger als Einen Musen-almanach zu kaufen und zu lesen. Da kommt esdenn nur darauf an, ob der Vossische oder der Bür-gersche ihnen zuerst in die Hände läuft; und so baldsie Einen haben, sind sie für das Jahr vollkommenrontentirt. Von solchen Liebhabern gekauft und gelesenzu werden ist zwar für den Verleger nicht ohne Nutzen,allein für den Schriftsteller ohne die mindeste Ehre,für die Litteratur und Kunst ohne den mindestenGewinn. Aber aus solchen besteht denn doch wohlnicht unser ganzes Publicum. Unstreitig gibt es auchKünstler und Kunstverwandte, welche mit allen Kennt-nissen, ein griechisches oder römisches Meisterwerk zuverstehen und zu empfinden, ausgerüstet, dennoch keineÜbersetzung desselben leicht ungelesen lassen. Und ge-rade diese sind, glaube ich, die rechten Leute, fürwelche Werke der schönen Redekünste mit Nutzen über-setzt werden können, und mehr als einmal übersetztwerden müssen.
Eine Übersetzung müßte überaus schlecht seyn, wennsie auch nicht einen einzigen neuen Aufschluß des Ge-dankens und der Empfindung des Originals gewährensollte; sie müßte ganz offenbares Stümperwerk seyn,wenn nicht wenigstens die Muttersprache an Reichthum,an Mannigfaltigkeit, an Geschmeidigkeit und Wohl-klang in Ausdruck und Wendungen dadurch gewinnen^ sollte. Diesen Gewinn sich eigen zu machen, kann fürden eifrigen Schüler der Kunst gewiß nichts zuträg-