die Behauptung, daß das Daseyn auch dieser Über-setzung, sey sie nun besser oder geringer als Andre,der Kunst und ihren Schülern zum Wortheile gereichenmüsse. Und nur unter dieser Behauptung sey sie denFreunden und Bekennern der Kunst empfohlen.
So wenig die vortrefflichste Übersetzung irgendeines griechischen oder römischen Meisterwerkes das Ori-ginal entbehrlich macht, so wenig macht die vortreff-lichste Übersetzung noch zehn Andere, selbst geringer»Werthes, entbehrlich. Denn nicht zu gedenken, daßin Werken des Geschmackes der Begriff des Werthesoft sehr relativ ist, nicht zu gedenken, daß oft derfeinste Prüfer sich keiner Entscheidung getrauet: somüssen selbst, bei allgemein entschiedenem Werth undVorzug der einen oder der andern Übersetzung, dieübrigen dem Freunde, dem Bekenner und Ausüber derMusenkünste noch überaus interessant und lehrreichbleiben, wofern anders nicht einem Verfasser geradealles Talent, alle Kenntniß beider Sprachen abgegan-gcn seyn sollte. Nur einen einzigen Renner nach einemZiele streben zu sehen, das kann nicht interessiren;auch das nicht, wenn mehrere gleichen Schrittes seri-ellen: aber das ist ein sehr unterhaltendes Schauspiel,wenn die lange Bahn hinab, bald dieser, bald jenerdem andern zuvor eilt, ehe endlich Einer der Palmesich ganz oder zum Theil bemächtigt.
Freilich gibt es gewisse Bücherkäufer und Leser, dieihren Nachbar oder Gevatter, den Kenner und Kunst-richter, fragen: Welches ist wohl die beste Uebersetzungdes Homer oder Virgil? Ich wollte mir doch gern