6. Vorrede zu K. O. Nocks Uebersetzung des Virgil-scheu Lehrgedichts vom Landbuu *).
Dem ganzen Publicum, welchem Werke des Ge-schmackes nicht gleichgültig sind, ist es bekannt, wasfür eine Uebersetzung des virgilianischen Gedichtes vomLandbau neulich Herr Voß unserm Vaterlande ge-schenkt hat. Wenn ich gleich wohl kein Bedenken trage,einen neuen Uebersetzer eben desselben Gedichtes alsVorredner aufzuführen, so — nun, was wird mandenn wohl erwarten? — Etwa die Behauptung, daßhier mehr sey, als Voß? Oder allerlei lose Künste,dieser Uebersetzung ein unverdientes Ansehn, einen un-verdienten Eingang beim Publicum zu verschaffen? —Wer so etwas vermuthet, der kennt eben so wenigmich, als die richtigsten von allen den verschiedenenGesichtspuncten, aus welchen Ucbersetzungen vortrefflicherSprachwerke, besonders des Alterthums, angesehen undbeurthcilt werden müssen.
Eine Vergleichung dieser Uebersetzung mit der Vos-sischen, oder irgend einer Andern, kann und darf mirhier nicht einfallen. Unbesonnenheit, die meines Vor-redner Amtes gar nicht ist, wäre es, gerade an dieserStelle für die Eine oder die Andere, sie sey welche siewolle, selbst mit Beifall echter Kritik abzusprechen.Wohlbesonncn und meines Amtes hingegen achte ich
Diese Ncbcrsctznng erschien 1790 bei I. A. Barth inLeipzig.