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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
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die Sache mit Einem Worte zu umfassen, die PoesieNachbildnerei nennen.

Ob nun gleich auch dieser Ausdruck noch nicht Al-les erschöpft, so umfaßt er doch den wesentlichen Haupt-theil, der auf unveränderliche Regeln, die von Son-nen-Aufgang bis Niedergang gelten müssen, gebrachtwerden kann.

Nicht Alles soll und kann nachgebildet werden.Denn so wie nicht jedes Urbild der Natur gefällt, sogefällt auch nicht jedes Nachbild der Poesie. Hiertritt der Geschmack der Menschen auf, und behauptetsein Recht. Natur und Geschmack sind die Gesetzgeberin der Poesie. Die Natur ist Monarchinn; sie gebie-tet und fragt Niemanden. Was sie einmal gebietet,das gebietet sie in allen Zeiten, in allen Ländern. DerGeschmack ist eine tausendstimmige moralische Person,Die meisten Stimmen entscheiden.

Es ist leichter, das Gesetz der Natur zu befriedi-gen, als das Gesetz des Geschmacks. Wenn der Dich-ter auf das Urbild der Natur, als sein Gesetzbuch, undauf sein Nachbild blickt, Beide mit einander vergleicht,so muß er, wenn es ihm nicht gänzlich an dem lucki-«io ciigoretivg fehlt, geschwind wahrnehmen, ob erdas Möglichste geleistet habe.

Er kann aber nicht umher gehen, und die Stimmendes Geschmacks sammeln. Es gehört hohe Beurthei-lungskrast und weitläufige Erfahrung dazu, zu beur-