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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
208
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Tag sehr häufig bedienen, war auch bei unfern alternDichtern nicht wenig im Gange. Der Zwang aber,die Plumpheit und der Uebelklang womit die meisten,wenn nicht alle Deutschen Sonnette dahin stolperten,brachte vermuthlich nachher, bei mehrerer Cultur desGeschmackes, diese Form, bis auf wenige Ausnahmenin neuern Zeiten *), aus dem Gebrauch und fast ganzin Vergessenheit. Wenn bessere Dichter oder Kunst-richter ihrer ja noch erwähnten, so geschah es mit einerArt Geringschätzung, womit man etwa von der Kunstsprechen möchte, Hirsenkörner durch ein Nadelöhr zuwerfen. Die undankbare Schwierigkeit des Sonetteswurde beinahe, und zwar in Sonetten selbst, zumSprichworts. Kurz, man hielt die Kunst des Sonettesnicht viel besser, als die Kunst der Anagrammen, Logo-gryphen, Akrostichen, Chonogrammen und Räthsel.Allein mir däucht denn doch, man sprach davon nurwie der Fuchs von den Trauben, indem der Vorwurfdes Zwanges und der Unbehülflichkeit mehr dem Dich-ter, als der Form und unserer Sprache gebühret. Eingutes Deutsches Sonett kann demjenigen, der nur eini-ger Maßen Ohr hat, seiner Sprache mächtig ist, undihren Knoten, deren sie freilich leider! genug hat, aus-zuweichen verstehet, nicht viel schwerer seyn, als jedesandere kleine gute Gedicht von diesem Umfange; undwenn es gut ist, so schlägt es mit ungemein lieblichenKlängen an Ohr und Herz. Das hin und her Schweben

*) S. T. Mercur. 1776. Zweites und drittes Vierteljahr.