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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
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jedes gesunde Auge, daß es jämmerliche Dummheitsey, die Mutter Gottes, oder gar den Weltheiland,für entehrt zu achten, wenn ein Dichter zur Erhöhungseines darzustellendcn Ideals von vollkommener Weibes-schönheit und Tugend hinzusetzt:

Heiliger und schöner warNur die Hochgebencdeite,

Die den Heiland uns gebar.

In der ersten Lcseart stand zwar kaum, für nunaber das ist nach Sinn und Sprache einerlei. Wennder Mutter Gottes die höchste weibliche Schönheit unbTugend beigelegt wird, so dächte ich, selbst der strengsteKatholik könnte nicht mehr verlangen. Eine Personaber muß schlechterdings in der Welt gewesen seyn, dieihr hierin am nächsten gekommen ist. Ist es dennnun wohl Sünde, wenn der Dichter sein Ideal aufdie nächste Stufe unter ihr stellt? Aber ich weißwohl, woher sich so manche unsinnige Urtheile entspin-nen. Es singt wohl kein Dichter ein Liebeslied, dasdie Einfalt nicht seinen wirklich erlebten Liebesgeschich-ten anpaßt. Irgend ein Pinsel weiß vielleicht, daßder Dichter dies oder jenes Mädchen liebt, oder ge-liebt hat. Nun fängt er an, zu vergleichen, und damuß es denn freilich auffallend seyn, das wirklicheMädchen dem besungenen Mädchen der Einbildungs-kraft so weit nachstehen zu sehn. Aber wer heißt euchdenn vergessen, daß Dichter> Dichter sind? Pc-trarca's Laura ist gewiß und wahrhaftig das nichtgewesen, was die unsterblichen Lieder des Dichters ausihr gemacht haben. Mein erwähntes Lied ist eine