I. Von der Eintheilung des Schauspiels.
Trauerspiel, — Freudenspiel, — rührendes, wei-nerliches Lustspiel, — Posscnspiel, — heroisches, bür-gerliches, bäuerisches, schäferliches, — und der Him-mel weiß! was noch sonst für Spiele die Theoreien-macher uns herrcchnen! Und doch thun sie der Sachenoch lange nicht genug, wenn sie Alles, was sich nachihrer Weise theilen läßt, bis an's Ende forttheilen wol-len. Daß sie doch alle der Batteux holte! Undihren Verstand weit droben im Ariostischen Monde intausend Fläschchen vertheilte, und jedes dicht und festzupfropftc! Schauspiel ist — Schauspiel, und damitgut! Jene Thcilung gemahnet mich nicht anders, alswenn man die liebe Mutter Natur in die lachende undweinende, tragikomische und komischtragische tabellirenwollte, da sie doch das Alles in Einer, und Eine in demAllen ist. Wisset ihr nicht, daß sic Freud' und Leid, Kriegund Frieden, Ruh' und Aufruhr, Haß und Liebe, Ver-söhnung und Rache, Tod und Leben in Einem Nestebrütet? Warum zimmern also wohl die kindischen Kin-der der Kunst so viel hundert Kästchen und Fächerchcn,alles das aus einander zu sondern? Wie mögen sieihr wohl vorschreiben, wie sie das all? ob sie's einzeln,oder paarweise? oder die ganze Hecke auf Ein Malausfliegen lassen soll? Was Mutter Natur thut, dasist recht; was sie paart, das ist wohl gepaart. Daßeuch die Hand nicht aus dem Grabe wachse, weil ihreuch an der Mutter vergreift! Wisset ihr nicht, wasSokrates sagte, daß Schmerz und Wohllust an ihrenEnden zusammen geknotet wären?