nichts abgeschmackter, als mit unerhörten Titeln frappirenzu wollen, wiewohl dies oft der armselige Behelf mit-telmäßiger Büchermacher ist.
Ich schrieb ohne alle anderen Bücher, aus eigenemKopse und Herzen. Dennoch gebe ich mich eben sowenig für einen absoluten Selbstdenker, als meine Ge-danken für neu und eigen aus. Manches mag ich vor-hin gelesen, Manches mag ich von gescheidten Leutengehört, Manches auch selbst geschaffen haben. Aberauch nicht Alles, was man selbst erschafft, ist eigenund neu. Hundert Köpfe können, ohne alle fremdeZuthat, oft einerlei Ding ersinnen.
Sehr unbesonnen wird oft der Mangel an Neu-heit und Originalität gerügt. Gerade, als ob Alles,was geschrieben wird, neu und unerhört sevn müßte.Was ist ganz neu unter der Sonne? — Nicht Allelesen alle Bücher. Wenn daher Jener dem erstenTausend von Lesern geschrieben hat, warum sollte Die-ser nicht das Nämliche dem zweiten Tausend schreibendürfen? —
Wahrheit! Unerforschliche, ewige Gottheit! Nachdir gehen meine Blicke aus. Noch nie hat dich einsterbliches Auge ganz erblickt; nimmer werden dich allerSterblichen Augen zusammen in deiner vollen schönenGestalt schauen. Der scharfsichtigste Weise entdeckt andir nur kleine einzelne Theile. Thun sie sich zusammen,und sagt einer dem andern: „Das sah ich! — Undich das!" — so ist vielleicht am Ende der Welt mög-licher, als jetzt, das erhabenste schwerste Abbild derAehnlichkeit einiger Maßen naher zu bringen.