122
Lady.
Armes Vögelchen! Du würdest dich weder vorNetz, noch Leimruthe hüten; weder vor Fallen, nochStricken.
Sohn.
Warum nicht, Mutter? Die sind für arme Vögelnicht hin gelegt. Mein Vater ist nicht todt, wenn dues gleich sagst.
Lady.
Ja wohl ist er todt! Gott helfe dir, armer Junge! —
(Kommt ein Fremder.)
Fremder.
Grüße Sie Gott, meine schöne Lady! Sie kennenmich zwar nicht, aber ich desto besser Sie. Es schwebtGefahr über ihrem Haupte. Wollen Sie Sich voneinem gemeinen Manne warnen lassen, so bleiben Siehier nicht. Flugs machen Sie Sich fort mit sammtIhrem Kleinen. Es läßt zwar unhöflich, daß ich Sieso erschrecke, aber unmenschlich war' es, Sie unge-warnt zu lassen, da die Gefahr Ihnen so nahe ist.Gott behüte Sie! Ich darf nicht langer säumen. (Ab.)
Ladyi
Gott! Wohin soll ich denn fliehen? Rosse schienauch schon so etwas... Ich habe ja nichts Böses ge-than! — Aber nun besinn' ich mich; ich lebe in die-ser irdischen Welt, worin Böses thun oft löblich ist,Gutes thun aber zur gefährlichen Thorheit wird. —Ach! Warum will ich denn die weibliche Schutzwehrbrauchen, und sagen: Ich habe kein Böses gethan? —Komm, Kind! — Gott erbarme sich unser! — (Ab.)