Keuschheit abzwingen, die ich dem Abrokomas so hei-lig bis hierher bewahret? O Herr, rief sie, und sielden Klytus zu Füßen, o führe mich nicht in so großesUnglück! Tödte mich lieber! Nimmermehr halt' ich'sbei einem Kuppler aus! Glaube mir, ich bin zurSittsamkeit gewöhnet!" Ob sie nun gleich mit diesenKlagen den Klytus zum Mitleid bewegte, so bracht'er sie doch nichts desto weniger fort nach Italien. AlsPolyidus zu Hause kam, sagt' ihm Rhenaa, Anthiawär' entlaufen, und er maß ihr leicht Glauben bei,wenn er an das zurück dachte, was schon geschehenwar. Klytus kam mit Anthien nach Tarent, einerStadt in Italien, und fürchtete das Gebot der Rhe-näa zu sehr, um sie nicht einem Kuppler zu verkaufen.Als dieser an ihr eine Schönheit vernahm, dergleichener sein Leben lang nicht gesehen hatte, so hofft' ergroßen Gewinn von ihr zu ziehen. Drei Tage ließer ihr Ruhe, sich von der Ermüdung der Reise undden Schlägen der Rhenaa zu erholen. Klytus reifetedarauf wieder zurück nach Alexandrien, und statteteRhenaen Bericht von seiner Ausrichtung ab. Hippo-thous war indessen in Sicilien gelandet, wo er nichtzu Syrakus, sondern zu Tauromanium ausstieg, undGelegenheit suchte, sich seinen Unterhalt zu erwerben.Abrokomas aber, nachdem er lange Zeit zu Syrakus hin-gebracht hatte, verfiel in gänzliche Mutlosigkeit und indie grausamste Beklemmung, weil er eben so wenigAnthien finden, als sein Vaterland glücklich wieder er-reichen konnte. Er beschloß daher, Sicilien zu ver-lassen, und nach Italien zu segeln; und wenn er dort
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