ging ihr ganz allein in den Tempel nach, und schwur,ihr nimmer Gewalt und Schmach anzuthun, sondernihr ihre Keuschheit zu lassen, so lange sie selbige be-halten wollte, und nur mit dem Anschauen ihrer Reizeund ihrem Gespräch seine Leidenschaft zu befriedigen»Anthia traute seinen Schwüren, und verließ den Tempelwieder. Da Polyidus beschlossen hatte, zur Erholungnoch drei Tage zu Memphis zu verweilen, so begabsich Anthia in den Tempel des Apis, den alleransehn-lichsten in ganz Aegypten. Die Gottheit ertheilet hierWeißagungen, wenn sie verlangt werden, und wennJemand herzu nahet und betet, so kommt der Gottselbst zum Vorschein, und die Aegvpti'cr, welche imTempel dienen, verkünden die Zukunft entweder inVersen, oder in Prosa. Anthia kam, und siel vordem Apis nieder: „O du menschenfreundlichster allerGötter, betete sie, der du gegen alle Fremdlinge somitleidig bist, erbarme dich einer Unglücklichen; gibmir eine wahrhafte Weißagung von meinem Abroko-mas! Wenn ich ihn wieder sehen, und einen Gemahlan ihm haben soll, so will ich standhaft noch aus-halten. Ist er aber dahin, so ist mir nicht besser,als daß ich nun auch von diesem jammervollen Lebenmich los mache." So flehte sie, und ging weinendzum Tempel hinaus. Hier aber rüsten ihr die Kna-ben, die an der Pforte spielten, all' auf Ein Mal ent-gegen: „Bald wird Anthia ihren geliebten Abrokomas-wieder umarmen!" Dieser Zuruf flößt' ihr wiederMuth ein, und sie dankte den Göttern. Darauf ging,die Reise weiter nach Alexandrien fort,
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