484
worden. Diese machten daher mit einbrechender Nachtsich an das Begräbniß, erbrachen die Pforten desGewölbes, stiegen hinein, bemächtigten sich der Kost-barkeiten, und erblickten Anthien lebendig. Diese schienihnen ein herrlicher Fund zu seyn, wovon sie ansehn-lichen Gewinn hofften. Daher richteten sie selbige em-por, und wollten sie fortführcn. Sie aber warf sichzu ihren Füßen nieder, und flehte: „O ihr Männer,wer ihr auch seyd, nehmet allen diesen Schmuck, neh-met Alles, was mit mir begraben ist, hin, nur ver---schonet meinen Körper. Ich bin zwei Göttern, Amornund dem Tode, heilig; vergönnet, daß ich mich die-sen hier ruhig widmen möge! Ach! bei euern väterli-chen Göttern! zeiget mich dem Tageslichte nicht wie-der, mich, die ich so viel Unglück erfahren, welchesewiger Nacht und Dunkelheit würdig wäre." Soflehte sie; doch war ihr Flehen vergebens. Die Räu-ber nahmen sie mit sich auf ein Fahrzeug, und segelten,mit ihr nach Alexandrien ab. Unter Weges wurdesie zwar sehr gut bedienet, und ihr zum öftern Mutheingesprochen; aber die Betrachtung dieses neuen un-vermutheten Elends preßt' ihr dennoch die bittersten.Thräncn und Klagen aus. „Schon wieder, rief sie,Räuber und Meer? Schon wieder eine Gefangene?Aber jetzt eine viel Unglücklichere, weil mein Abrokomasnicht bei mir ist! Welches Land wird mich nun auf-nehmen? Und was für Menschen werd' ich zu sehenbekommen? Ach! nur nicht den Möris, nur nicht dieManko, nur nicht den Perilaus noch ein Mal! Möcht'ich doch dahin gelangen, wo das Grab meines Ge-